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GESCHICHTE

"AUS DER NOT GEBOREN, UM DIE NOT ANDERER WIRKSAM ZU LINDERN"


Gründung 18. Februar 1827

Einen für Gersau sehr wichtigen und oft gefährlichen Beruf übten die Schiffsleute aus. Gersau hatte bis 1865 keine andere Verbindung als den Seeweg. Alle Güter mussten mit dem Ruderschiff von und nach Gersau geführt werden. Viele Dorfbewohner befanden sich daher während eines beträchtlichen Teil des Jahres auf dem Wasser, indem sie den Markt in Luzern besuchten, Botendienste verrichteten und den Fremdenverkehr vermittelten. - Da war es fast unvermeidlich, dass sie sehr oft bei Stürmen in grosse Not gerieten. 

Besonders 1826 war dies zweimal der Fall: Im Sommer fuhren Schiffsleute aus Gersau an einem Dienstag mit beladenem Schiff nach Hause. Als sie das Meggenhorn passiert hatten, wurden sie von einem schrecklichen Sturm heimgesucht. Plötzlich umhüllte sie finstere Nacht. Der Sturm tobte, das Wasser raste und die Blitze zuckten hin und her. Leib und Leben, Hab und Gut - alles stand auf dem Spiel. Die Schiffer hatten  Untergang und Tod vor Augen. In dieser schrecklichen Gefahr gelobten sie,  gemeinsam eine Wallfahrt nach "Maria Hilf" zu unternehmen und zu Ehren des heiligen Nikolaus von Myra eine Wachskerze der Pfarrkirche zu vergraben. Und siehe! Sie wurden wie durch ein Wunder gerettet.  Plötzlich war alle Gefahr vorüber; sie konnten sogar das Segel ziehen und landeten um vier Uhr wohlbehalten im heimatlichen Dorf. 

Im Herbst desselben Jahres fuhren Anton und Augustin Müller nach Meggen, um dort Erdäpfel zu holen. Bei der Heimkehr wurden sie unterhalb der "Matt" von einem bösen Sturm überrascht.  Die Wellen schlugen in das beladene Schiff und es begann zu sinken. Die beiden sprangen über Bord. Das Schiff ging unter, schlug um, entleerte sich seiner Ladung und kam Kiel obern wieder an die Oberfläche. Augustin Müller, der sich als guter Schwimmer über Wasser halten konnte, schwamm auf das Schiff zu und kroch auf den Rumpf desselben. Anton Müller hingegen sank bis auf den Grund des Sees hinunter, hatte aber das Bewusstsein nicht verloren. In dieser alleräussersten Angst und Not rief er die seligste Jungfrau und den heiligen Nikolaus von Myra um ihre Fürbitte an und gelobte die Lesung einer heiligen Messe. Auch er kam wieder an die Oberfläche, vermochte am Schiff einen Ruderring zu ergreifen und konnte ebenfalls auf den Schiffsrumpf kriechen. Endlich wurden die Schiffbrüchigen von der oberen "Matt" aus gesehen und vom dortigen Wirt und seinen Leuten gerettet. 

Noch unter dem Eindruck dieser beiden Begebenheiten traten im folgenden Winter einige Handels- und Schiffsleute zusammen und berieten, wie sie sich auch für die Zukunft des Schutzes und der Fürbitte der seligsten Jungfrau und des heiligen Nikolaus würdig und teilhaftig machen könnten.  Sie beschlossen, eine fromme Vereinigung zu bilden und eine freiwillige Opfergabe unter sich zu sammeln zur Abhaltung eines jährlichen Gedächtnisses und zur Anschaffung einer Opferkerze in der Kirche. Auch erliessen sie eine diesbezügliche freundschaftliche Einladung an alle wohlgesinnten Bürger.  Und diese Einladung fand Anklang; denn am 18. Februar 1827 kamen elf Männer zur konstituierenden Sitzung der frommen Verbrüderung zusammen. 

KIRCHLICHE BESTÄTIGUNG

Die Stifter beschlossen, die Gesellschaft zu einer kirchlichen Bruderschaft erheben zu lassen, um der geistlichen Segnung und der kirchlichen Ablässe teilhaftig zu werden. Zu diesem Zweck wurde der damalige Pfarrer Etter ersucht, bei der päpstlichen Nuntiatur in Luzern die geeigneten Schritte zu unternehmen, dass Seine Heiligkeit Papst Pius VIII. die Bitte eröffne und für die bezweckte Bruderschaft eine Bulle erlangt werden möchte.  Der Pfarrer führte diesen Auftrag aus und am 10. April 1829 wurde diese Bulle in Rom ausgefertigt. 

Papst Pius VIII. belobigte und genehmigte darin die eingesandten Statuten und erhob für alle Zeiten die fromme Gesellschaft zu einer Bruderschaft. Am 21. September 1829 erfolgte die definitive kanonische Errichtung der genannten Bruderschaft durch Fürstbischof Carolus Rudolphus von Chur. Am 31. Januar 1830 wurden sowohl die päpstliche Bulle als auch die Approbation des Bischofs in der Pfarrkirche von der Kanzel verkündet und die Pfarrangehörigen zum Beitritt eingeladen.

DIE 11 BRUDERSCHAFTS-STIFTER

Sebastian Rigert, Seilermeister, Ausserdorf

Alois Camenzind, Schuhmachermeister Tschalun

Josef Maria Rigert, Schuhmacher, Rössli

Georg Franz Nigg, Fluhhaus

Josef Müller, Ziegler

Alois Müller, Kirchenvogt

Sebastian Rigert, Schiffmacher

Johann Alois Camenzind, Kantonsrat

Andreas Rigert, Glaser, Rössli

Josef Maria Camenzind, Kantonsrat

Josef Maria Camenzind, Pfrundvogt, Metzgerei

 

BISHERIGE PRÄSIDENTEN

2004 - heute - Ivo Camenzind-Küttel, Dipl. Ing. ETH

1982 - 2004 - Andreas Camenzind, Metzgermeister & alt Kantonsrat

1977 - 1982 - Adalbert Camenzind, Landschreiber

1965 - 1977 - Konrad Nigg, alt Kantonsrat, Posthaus

1959 - 1965 - Julius Rigert, alt Statthalter, Belsito

1941 - 1959 - Alois Camenzind, Bankrat, Konditor

1934 - 1941 - Karl Müller, Kantonsrichter, Buchdruckerei

1921 - 1934 - Vinzenz Müller, Kantonsrat, zur Ilge

1913 - 1921 - Josef Martin Camenzind, Kantons-Landammann

1897 - 1913 - HH Alois Reichlin, Pfarrhelfer

1876 - 1897 - Damian Camenzind, Kantons-Landammann

1869 - 1876 - Martin Camenzind, Bezirksammann, Regierungsrat

1862 - 1869 - M. Camenzind, Bezirksammann, bei der Brücke

1834 - 1862 - Josef Maria Camenzind Bachstatt & h.d. Kirche

1831 - 1834 - Alois Camenzind, Landammann

1830 - 1831 - Johann Alois Camenzind, Kantonsrat